2014 - Wir spielen Liebe

Szene 1

ANNA:

Du bist Krankenschwester in einem Altenheim. Du arbeitest schon lange in deinem Job, bist routiniert und gehst offen und freundlich mit den Bewohnern und Angehörigen um. Nach der obligatorischen Eingewöhnungsphase von 30 Tagen steht Herr X vor dir und möchte seine an Demenz erkrankte Frau zum ersten Mal besuchen. Sie hat sich gut eingelebt, vielleicht zu gut, denn sie hat im Heim einen Freund/Partner gefunden. Man weiss nicht, ob sie ihren Mann wiedererkennen wird.

Du führst Herrn X erst zu ihrem Zimmer, obwohl du weisst, dass sie mit ihrem Freund im Aufenthaltsraum sitzt. Vielleicht möchtest du damit Zeit gewinnen, denn du weisst, dass man demente Bewohner nicht mit der Realität erschrecken darf und Angehörige vorsichtig auf veränderte Situationen vorbereiten muss. Aber eigentlich ist dies alles Routine für dich und du siehst es locker und bist wie immer fröhlich. Wenn er merkt, dass seine Frau nicht im Zimmer ist, führst du ihn zu ihr.

FIONA:

Du bist 75 Jahre alt und lebst in einem Heim. Neben dir sitzt dein Partner, für den du große Zuneigung empfindest. Du kümmerst dich um ihn und hilfst ihm beim Mischen und Austeilen der Karten, weil er das nicht mehr so gut kann. Du bist rüstig, lebendig, liebenswürdig, ironisch, höflich, charmant, umgänglich und hilfsbereit.

Wenn ein neuer Bewohner kommt, hilfst du ihm gerne, sich zurechtzufinden.

JOHANN:

Du bist 75 Jahre alt, sitzt im Rollstuhl und lebst in einem Heim. Du kannst dich bewegen, aber bei alltäglichen Dingen helfen dir Schwestern und deine Partnerin neben dir. Ihr führt eine innige, aber keine sexuelle Beziehung. Du kannst dich nur schwerfällig äußern, deshalb sprichst du wenig, sondern versuchst deine Gefühle über Gestik, Mimik und Geräusche zu äußern. Du guckst gerne Sportsendungen und spielst gerne Karten mit den anderen Bewohnern. Deine Partnerin hilft dir mit den Karten. Die anderen Menschen sind Schwestern und Bewohner. Du bist würdevoll, melancholisch und manchmal eifersüchtig.

PAUL:

Du bist 75 Jahre alt. Du möchtest heute deine an Demenz erkrankte Frau besuchen, die sich vor einem Monat freiwillig in dieses Heim begeben hat, als ihre Orientierung zusehends abnahm. Nach der obligatorischen Eingewöhnungszeit von 30 Tagen bist du in freudiger, gespannter, etwas furchtsamer Erwartung, es prickelt ein bißchen, wie beim ersten Date. Du hast auch das erste Mal Blumen für sie gekauft. Eine Krankenschwester erwartet dich.

Eure Ehe ist glücklich, doch vor vielen Jahren hattest du mehrere Affären mit deinen Studentinnen, sogar eine, die über ein Jahr dauerte. Deine Frau hat nie davon erfahren, du wolltest sie niemals verlieren, hast aber ein latent schlechtes Gewissen deshalb.

Szene 2

LISA:

Du bist 70 Jahre alt, rüstig und kommst gerade aus deinem wohlverdienten Urlaub. Seit 5 Jahren pflegst du deinen Mann, der einen Schlaganfall erlitten hat, zu Hause. Du hast nicht viel Geld, aber auf Anraten deiner Freunde hast du dir endlich mal eine Auszeit gegönnt, um mal wieder Etwas für dich zu tun. Du warst 3 Wochen in Ägypten und hast deinen Mann so lange in eine Kurzzeitpflege in einem nahegelegenen Heim gebracht. Eure Beziehung ist natürlich nicht mehr wie früher, du kümmerst dich aber verantwortungsvoll um ihn, das ist als seine Frau schließlich deine Pflicht.

JOHANN:

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Du hast Fiona sehr lieb gewonnen und es bricht dir fast das Herz, sie wieder verlassen zu müssen. Deine Frau holt dich ab, denn sie pflegt dich normalerweise in eurem gemeinsamen Zuhause. Du bist traurig, musst aber stark sein, sonst wird Fiona noch trauriger...

FIONA:

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Dein Partner verlässt dich. Du hast ihn sehr lieb gewonnen und es bricht dir fast das Herz. Du möchtest ihn kaum gehen lassen.

Als er weg ist, verfällst du in tiefe Trauer und bekommst kaum mit, was um dich herum passiert. Depressiv und lethargisch verlebst du deine Tage.

ANNA:

Johann wurde von seiner Frau abgeholt. Die neue Situation ist für seine, im Heim gefundene, demente Partnerin Fiona kaum zu ertragen. Sie lässt sich gehen, kann sich kaum mehr alleine pflegen, essen usw. Sie ist auf mehr Pflege angewiesen, seit er weg ist, sitzt nur noch in ihrem Zimmer und nimmt nicht mehr an gemeinsamen Aktivitäten teil.

Du musst ihrem Mann schonend beibringen, dass, wenn es so weiter geht, keine andere Möglichkeit besteht, als sie (durch den höheren Pflegeaufwand) in die geschlossene Abteilung für schwere Demenzfälle zu bringen.

PAUL:

Du bist wieder einmal zu Besuch bei deiner Frau Fiona im Pflegeheim. Du hast dich schon daran gewöhnt, dass sie dich nicht erkennt, aber du versuchst immer wieder, Erinnerungen in ihr wach zu rufen, heute durch ein Islandbuch. Ihre Mutter kam von dort und ihr hattet schon lange darüber gesprochen, dort mal hin zu fahren. Du bist erstaunt, sie in ihrem Zimmer vorzufinden, da sie doch sonst ihre Zeit oft in den Gemeinschaftsräumen mit Johann verbringt.

Szene 3

LISA:

Du hast dich wieder gut zu Hause eingelebt, der zurückliegende Urlaub hat dich gut erholt. Johann ist nicht wie immer, er vermisst Fiona. Doch es gibt kein Zurück, auch wenn die Pflege dich belastet, um das Haus halten zu können, musst du weitermachen, ein Pflegeheim würde einfach zu viel Geld kosten.

Fionas Mann kommt zu Besuch, er möchte mit dir reden. Vielleicht ist auch er auf der Suche nach Zuneigung. Ihr seid immerhin in einer ähnlichen Situation...

PAUL:

Du kannst es nicht mehr ertragen, deine Frau so zu sehen und kannst dich auch nicht damit abfinden, sie zu den schweren Pflegefällen zählen zu müssen. Du hast dich entschieden, Johanns Frau aufzusuchen. Es muss doch IRGENDEINE Lösung geben, damit deine Frau wieder glücklich sein kann...

Szene 4

PAUL:

Du hast es (irgendwie) geschafft! Lisa hat zugesagt, dass du Johann bei deinem Besuch mit ins Pflegeheim nehmen darfst. Du bist gespannt, wie Fiona auf ihn reagiert.

FIONA:

Dein Mann kommt zu Besuch. Du freust dich und erzählst ihm von dem Islandbuch, dass du auf deinem Bett gefunden hast, irgendwer muss es dort vergessen haben. Da deine Mutter Isländerin war, hattet ihr schon lange mal geplant, dorthin zu fahren. Du möchtest ein bißchen mit ihm in Erinnerungen schwelgen.

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